Krankheits- und Heilungsverlauf des Islandwallachs Gordon (25 Jahre)

Bereits mit ca. 18 Jahren wurde bei dem Isi-Wallach Gordon EOTRH diagnostiziert. Anfangs schritten die Veränderungen rasch voran, sodass schon damals über eine Extraktion nachgedacht wurde.
Seine Besitzerin entschied sich zunächst für einen konservativen Therapieversuch: Die Schneidezähne wurden entlastet und die Besitzerin kümmerte sich intensiv um die Reinigung der bestehenden Zahnfleischtaschen und Zahnzwischenräume. Ein großes Glück war, dass Gordon sich die Behandlung, zwar ohne große Begeisterung, aber immerhin brav gefallen ließ.

Als zweite Säule der Therapie bekam Gordon Heilpilze zugefüttert. Zum Thema Heilpilze bei EOTRH finden Sie hier einen kurzen Exkurs. Diese konsequente Therapie sorgte dafür, dass sich der Verlauf der Erkrankung mit der Zeit immer weiter verlangsamte. Zahnfleischtaschen schlossen sich langsam wieder und die Fistelkanäle verschwanden. Auch das Größenwachstum der knolligen Zahnwurzeln verringerte sich deutlich.

Sieben (!) Jahre später war es dann dennoch soweit: Gordon separierte sich auffallend von der Herde und zeigte zunehmend ein depressives Verhalten. Auch die Aufnahme von kaltem Tränkewasser fiel ihm sichtlich schwer, so dass wir beschlossen, die Zähne nun zu extrahieren.
Nach der Anfertigung von Kontrollröntgenbildern, die die Einschätzung der Wurzelgröße und Lage für die Extraktion erleichtern, wurde Gordon sediert, mit Schmerzmitteln versorgt und die Nerven, sowie das umliegende Zahnfleisch der Schneidezähne mit einem Lokalanästhetikum betäubt. Mittels einer Infusion konnte ein gleichmäßiger Wirkspiegel der Sedierung erreicht werden, um die Kreislauf des älteren Herren nicht unnötig zu belasten.

Gordon einige Tage nach der Ex­trak­tion. Deutlich sicht­bar ist nur noch das gescho­rene Fell an den Stellen wo die Leitungs­anäs­thesien durch­geführt wurden und der Venen­kathe­ter lag.

Die Extraktion selbst verlief komplikationslos und dauerte weniger als eine Stunde. Die entstandenen „Krater“ der Zahnfächer bleiben nach der Extraktion offen und werden auch nicht noch einmal gespült. Das geronnene Blut in diesen Höhlen versorgt den Knochen und die Schleimhaut mit Nährstoffen, die die Wundheilung beschleunigen.

In den folgenden Tagen wird der Patient mit Schmerzmitteln versorgt, die Zahnfächer werden nur oberflächlich mit warmen Wasser, Myrrhetinktur oder ähnlichen, leicht desinfizierenden, pflanzlichen Extrakten gespült. Eine Antibiose ist in der Regel nicht erforderlich, es sei denn bei der Extraktion sind vereiterte Zahnwurzeln zum Vorschein gekommen.
Bis die tiefsten „Löcher“ verheilt sind, sollte der Patient nur mit Heu und ggf. zusätzlich mit Heucobs gefüttert werden. Körner oder Pellets könnten sich in den Zahnfächern verkeilen oder aufquellen und hier für Wundheilungsstörungen sorgen.

Gordon sollte nach der Sedation eigentlich noch einige Stunden von seiner Herde separiert bleiben, jedoch hat er es nicht mal eine Stunde in seinem abgeteilten Bereich ausgehalten. Den Stromzaun konnte er aushebeln und kurz darauf tobte er wieder mit seinen Kumpels durch den Offenstall und buckelte über den Paddock. Bereits direkt nach dieser Aktion war er laut seiner Besitzerin wieder völlig der alte und eroberte sich seine Chefposition in der Herde zurück.

Erfreulich war bei Gordon zudem, dass er seine Zunge nicht heraushängen lies. Das kommt nach Totalextraktionen leider häufiger vor, ist jedoch für das Pferd in der Regel kein Problem.

Heilungsverlauf der Schleimhaut des Islandwallachs Gordon nach der Extraktion der Schneidezähne (Achtung! Die Galerie enthält Abbildungen von frisch extrahierten Zähnen und abheilenden Schleimhautwunden)