Warum ich das was ich tue, so tue, wie ich es tue

Wie bereits in der Vorstellung angesprochen, hat sich die Zahnbehandlung in den letzten 25 Jahren stark weiter entwickelt. Mittlerweile muten selbst Lehrbücher aus den 90er Jahren in Bezug auf Werkzeuge und Techniken teilweise an, als seien sie im tiefsten Mittelalter verfasst worden.

Kein Wunder also, dass es eine absolute Notwendigkeit ist, hier immer am Ball zu bleiben und sich regelmäßig weiter zu bilden. Immer wieder werden neue Erkenntnisse der Grundlagenforschung veröffentlicht und wollen bei der täglichen Arbeit berücksichtigt werden. Auch die Werkzeugentwicklung schreitet noch immer stetig voran.

Erkenntnisse zu den Zusammenhängen der Biomechanik finden erst langsam in das Bewusstsein der Reiter, aber auch der Fachleute. Die funktionellen Zusammenhänge der Faszienverbindungen aller Muskelgruppen bis hinauf zu den Hirnhäuten werden noch immer häufig unbeachtet gelassen. Dabei darf man nie aus den Augen verlieren, dass die gesamte Unterhalsmuskulatur vom Unterkiefer und vom Zungenbein in Richtung Schulter, Brust und Vordergliedmaße zieht.

Bestehen bereits in diesem Bereich Verspannungen durch eine schlechte Kieferbeweglichkeit oder Schmerzen im Maul, ist an ein losgelassen und zufrieden laufendes Pferd kaum noch zu denken. Die Verspannungen verfestigen sich mit der Zeit, breiten sich aus, die stoßbrechende Funktion der Schulterblattaufhängung wird außer Kraft gesetzt und Belastungsprobleme wie Sehnendefekte und Entzündungen der Hufrolle können die Folge sein.

Eine weiterer Grundpfeiler meiner Arbeit ist der Slogan: So viel wie nötig, so wenig wie möglich.

Diese Aussage bezieht sich sowohl auf die Wahl und die Dosierung der Sedation, als auch auf die Korrekturen im Pferdemaul.

Anhand der in der eingehenden Voruntersuchung erhobenen Befunde, kann ich die Behandlung und die nötigen Korrekturen so planen, dass notwendige Anomalien zwar korrigiert und verbessert werden aber keine Überkorrektur bestimmter Bereiche stattfindet.

Scharfe Kanten sollen zwar abgerundet, aber gleichzeitig die Kaufläche nicht unnötig reduziert werden. Ausgeprägte Querrillen müssen abgeflacht werden, um wieder eine Kieferbeweglichkeit in alle Richtungen zu gewährleisten. Jedoch darf es nie dazu kommen, dass die Kaufläche hinterher so glatt ist, dass das Pferd wochenlang nicht richtig mahlen kann.

Auch beim oft diskutierten Kürzen und Begradigen der Schneidezähne gilt: Die individuelle Anatomie des Pferdes gibt vor, in welchem Maße die Schneidezähne korrigiert werden müssen und können.

Letztlich ist das Ziel der gesamten Arbeit die Funktion der Gesamtheit aus Schneidezähnen, Backenzähnen und Kiefergelenk zu verbessern. Das gibt dem Pferd mehr Lebensqualität, wirkt sich aber auch auf die Rittigkeit aus. Dieser Grundsatz findet sich auch in meinem Logo wieder, das die stilisierten Konturen dieser drei so grundlegenden Strukturen abbildet und verbindet:

Eine physio­logische Aus­­rich­­tung der Schnei­de­­zahn­­kau­­fläche und eine an­ge­­passte Schneide­zahn­­länge er­mög­­licht einen problem­losen Mahl­vorgang der Backen­zähne. Zudem wird der Schneide­zahn­halte­apparat und das Kiefer­gelenk ent­lastet.
Eine maßvolle Korrektur der Backen­zahn­kau­fläche ermög­licht dem Pferd das gleich­mäßige zer­mahlen der Nahrung und gewähr­leistet das gesamte Bewegungs­spektrum im Kau­vorgang. Auch das not­wendige Vor­rutschen des Unter­kiefers beim Senken des Kopfes wird so wieder möglich gemacht und er­leichtert dem Pferd nicht nur die Nahrungs­auf­nahme vom Boden, sondern ver­bessert auch die Rittig­keit.
Durch die Ver­besser­ung der Gesamt­beweg­lich­keit des Kiefers, wird sowohl die physio­logische Bewe­gung des Kiefer­gelenks wieder ermög­licht. Bei passender Schneide­zahn­länge ver­ringert sich der Druck auf die Gelenk­flächen.