Ein empfindliches Gleichgewicht

Zusammen mit dem Kiefer­gelenk und der Kaufläche der Backen­zähne bilden die Schneide­zähne den dritten Anteil eines ausge­klügelten Gleich­gewichts, das einen physiologischen Kau­vorgang ermöglicht.

Da die Schneide­zähne, wie im vorletzten Kapitel bereits ausgeführt, bei unseren Haus­pferden aber kaum noch Abnutzung erfahren, werden sie oftmals immer länger. Dadurch verschiebt sich dass Druck­gleich­gewicht zwischen Kiefer­gelenk, Backen­zahn­kaufläche und Schneide­zähnen. Die Backen­zähne stehen weiter auseinander, dadurch muss das Pferd mehr Druck ausüben, um auch kleine Hafer­körner oder feines, weiches Heu noch mahlen zu können. Belastet wird schließlich besonders das Kiefer­gelenk und die Schneide­zähne, die häufig entzündlich auf diesen Dauer­stress reagieren.

Werden dann zusätzlich nur die Backen­zähne bearbeitet und hierbei aufgrund von Wellen oder Rampen auch die Kaufläche stark geschliffen, gerät dieses Ungleich­gewicht noch weiter aus den Fugen. Schließlich entsteht das, für alte Pferde „typische“ Pinzetten­gebiss, bei dem sich die Schneide­zähne immer weiter heraus­drücken und Parodontosen. Auch die Entstehung von EOTRH aufgrund von erhöhtem Druck (neben weiteren Faktoren) wird aktuell diskutiert.

Um Druck­über­lastungen des Schneide­zahn­halte­apparates zu vermeiden sollte vor und nach der Behandlung immer die Okklusion (Reibung) der Backen­zähne kontrolliert und wenn nötig durch gezieltes Einkürzen der Schneide­zähne verbessert werden.

Pinzettengebiss, wie es in eins­chlägi­gen Büchern zur Reit­lehre und Pferde­haltung als Standard bei Pferde ange­sehen wurde, die älter als 15 Jahre sind.
Ein derartiger Verschub der Schneide­zähne im Verhältnis zur Mittel­linie führt zur Druck­überlas­tung und im Extrem­fall sogar zum Verlust einzelner Zähne. Der Zahn­halteap­parat wird über­lastet und die Zähne lockern sich